Eine der beliebtesten Anekdoten aus meiner Kindheit ist die über meinen ersten Puppenwagen. Den bekam ich zum 2. Weihnachtsfest und weil der Weihnachtsmann keine Puppe mit reingelegt hatte, durfte fortan auch keine Puppe mitfahren. Immer wenn meine Eltern den Versuch wagten eine hineinzulegen, flog sie im hohen Bogen wieder heraus.

Nun sollte unser kleiner Zuckerbart zu Weihnachten ihren ersten Puppenwagen bekommen und natürlich wollte ich unter keinen Umständen ein Remake des Puppenwagen-Dramas meiner Kindheit riskieren. Also musste noch ein Püppchen her. Und mit einer Nähmama als Mama musste es eben auch ein Selbstgenähtes sein. So der Plan!

Das revoluzzzionäre Puppen-Ebook Alisa & Matilda stand schon seit Monaten auf meiner To-Sew-Liste und nun schritt ich frohen Mutes zur Tat. Schnitt Beinchen, Arme, Bäuchlein, Haare, Schlüpferchen und Co. zu und auf ging’s an die Nähmaschine. Obwohl ich so kurz vor Weihnachten schon ziemlich unter Zeitdruck stand und das Puppenprojekt doch aufwendiger war als ich am Anfang vermutet hatte, machte es riesen Spaß unser Matilda-Püppchen auf ihrem Weg ins (Puppen)Leben zu begleiten. Mit jedem Stich verliebte ich mich ein kleines Stückchen mehr in dieses zauberhafte Wesen und konnte es kaum erwarten, die leuchtenden Augen vom Zuckerbart am Weihnachtsabend zu sehen. Aber bis dahin sollte es noch ein langer, doch recht beschwerlicher Weg sein, denn im Eifer des Gefechts habe ich erst mal die Beine verkehrt herum angenäht (obwohl es im Ebook idiotensicher beschrieben ist). Auch die Frisur hat mich Nerven gekostet und der Nahttrenner und ich wurden richtig dicke Freunde während dieses Projektes. Aber schließlich sollte sie ja perfekt werden, die kleine Madame.

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Spät abends am 23. Dezember hielt ich sie dann endlich überglücklich im Arm – Matilda. Noch etwas zerknautscht, aber wunderschön! Nachdem ich jeden Zentimeter des Puppenmädchens ausgiebig bewundert hatte, wollte ich schnell noch die Spuren der langwierigen „Geburt“ mit dem Bügeleisen beseitigen. Im Eifer des Gefechts hatte ich wohl übersehen, dass dieses auf höchster Stufe lief und nicht mehr daran gedacht, dass Filz und Bügeln nicht die beste Kombination ist. Zum Glück fand ich das ziemlich schnell heraus, aber das Filzherz vom Höschen hatte schon schwerwiegenden Schaden am Bäuchlein angerichtet. Den Tränen nahe, schnappte ich mein Puppenmädchen und raste ins Badezimmer. Auswaschen war natürlich zwecklos, aber mit dem Topfkratzer Zauberschwamm und ganz viel Geduld habe ich es irgendwann dann doch geschafft, Matilda von ihren Schürfwunden zu befreien. Aufatmen!

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Nun hieß es schnell handeln, denn so triefend nass konnte ich Matilda ja schlecht ausstopfen, geschweige denn verpacken! Also wurde die Heizung auf Saunatemperatur gestellt und der Fön auf Dauermodus. Im Morgengrauen war es dann endlich geschafft! Matilda – unverletzt – trocken – gestopft und verpackt. Zwar nur im Höschen, aber mehr war nun wirklich nicht mehr drin.

Nie wieder – war mein erster Gedanke. Aber als ich schließlich die Zuckerbart-Strahleaugen beim Auspacken sah, war jedes Fluchen, jede Träne, jede Anstrengung wie weggeblasen und ich bastelte im Kopf schon an einem Geschwisterchen für Matilda.

Fast wie im wahren Leben, oder?! 😉

Ach ja, Klein-Zuckerbart liebt ihre Matilda über alles und mittlerweile ist sie auch anständig gekleidet! ABER sobald ich sie in den Puppenwagen packe, fliegt sie im hohen Bogen wieder heraus 😀

Liebste Grüße

Sylvie

 

Schnitt: Alisa & Matilda – Ein Puppentraum zum Selbernähen (Revoluzzza)

Stoffe: beiger Baumwollstoff aus dem hiesigen Stoffgeschäft, rot-weißer Baumwollstoff von Riley Blake über Dawanda, Filz von efco über Kreativ-Depot